h1

Sogar Picasso hat seine Bilder gelobt

June 7, 2010

Artikel aus der Filder-Zeitung vom 04.06.2010

Esslingen. Dieter Kauffmann stellt am 8. Juni im Alten Rathaus den polnischen Maler Zdzislav Lachur vor.
Von Kai Holoch

George Harrison, Jacqueline Kennedy und Barbara Streisand haben eines gemein mit dem Museum Yad Vashem in Jerusalem, dem Nationalmuseum in Warschau und dem Museum of Modern Art in New York: Sie alle besitzen Bilder von Zdzislaw Lachur.

Zdzislaw Wer? So werden sich wohl die meisten Kunstliebhaber in Deutschland fragen. Denn hierzulande ist der polnische Maler, der in seiner Heimat und vor allem im angelsächsischen Raum hohes Ansehen genießt, weitgehend unbekannt. Das dies ein Fehler ist, der sich allein damit erklären lässt, dass die Deutschen sich nach dem Krieg nicht mehr mit der Hitler-Diktatur und der Judenvernichtung auseinandersetzen wollten, davon ist der Esslinger Dieter Kauffmann fest überzeugt. Um diesen Fehler zu beheben, hat der heute 77-Jährige bereits einiges unternommen: 1985 hat Kauffmann eine erste Ausstellung im Esslinger Schwörhaus organisiert. Er hatte einst als Verkäufer von Werkzeugmaschinen für acht mittelständische schwäbische Unternehmen Polen bereist und dabei Mitte der 1970-er Jahre den Maler kennengelernt. Später hat er Lachurs Werk in seiner eigenen Galerie in Berkheim gezeigt. 2009 hat er schließlich die jahrelangen Arbeiten an seinem Buch über den 1920 in Zagãrze geborenen und 2007 in Warschau gestorbenen Maler für beendet erklärt. Am kommenden Dienstag lädt er um 18.30 Uhr zusammen mit der Stadt Esslingen zu einem Vortrag mit Lesung aus diesem Buch und Bilderbesprechungen samt kleiner Ausstellung in die Schickhardthalle des Alten Rathauses.

Wenn Kauffmann über Zdzislaw Lachur und seine Bilder spricht, gerät er ins Schwärmen: “Lachur hat keine Konsumbilder gemalt. Man braucht viel Zeit, um sie zu studieren und sie sich ihre Fülle zu erschließen. Aber wenn einen erst mal der Virus Zdzislaw Lachur gepackt hat, dann lässt er einen nicht mehr los.” In der Tat hat Zdzislaw Lachur in vielen seiner Bilder unzählige Bezüge versteckt, die sich dem Betrachter erst bei genauem, unvoreingenommenem Betrachten erschließen. Etwa eines von Kauffmanns Lieblingswerken, “Marx” aus Lachurs Zyklus “berühmte Deutsche”. Während auf der linken Hälfte von Marx dessen Ideale glänzen, kann man rechts von ihm erkennen, was viele Diktatoren daraus gemacht haben. In der Mitte sieht man Marx selbst – mit einer Träne im Auge.

Die wichtigsten drei von Zdzislaw Lachurs insgesamt sieben Zyklen beschäftigen sich mit den Themen Ghetto, Vernichtung von Menschenleben und dem heiligen Leben. Seine Bilder sind Ausdruck des Protests gegen Gewalt, Unterdrückung, Entehrung, Hass und Rassismus. Sein Ziel ist es, den Opfern ihre Würde zurückzugeben und dafür zu sorgen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Diese Nächstenliebe, so Kauffmann, habe Zdzislaw Lachur nicht nur gemalt, sondern auch selber gelebt. Höchstes Lob hat Zdzislaw Lachur für einen anderen seiner Zyklen erhalten. Mit seinen Pferdebildern, so hat Pablo Picasso anerkennend festgestellt, habe Zdzislaw Lachur “die neue Form der plastischen Darstellung des Pferdes gefunden.”

Advertisement

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Connecting to %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.